Wir bauen eine Stadt
Stadtbau als Disziplin beginnt sich schon im frühen Zwanzigsten Jahrhundert zu verlieren, zunächst im funktionalistischen ‚Planning’ und schließlich im sozialpolitischen Pragmatismus. Im Vakuum machen sich seit geraumer Zeit kapitalistische Verwertungsstrategien in Gestalt eines ungenierten Architektur-Branding breit. Dass die Stadt sich aber, vor allem in ihrer europäischen Ausprägung, einem subtilen Kräftespiel zwischen privatem Hausbau und öffentlicher Raumbildung verdankt, scheint dabei in Vergessenheit geraten zu sein und damit die Unterscheidung zwischen architektonischer und urbanistischer Sphäre. Vergessen scheint auch, dass Stadt eben nicht das Resultat „visionärer“ Ideen ist, sondern Ausdruck bürgerlichen Zusammenlebens, dem sich ihre Konventionalität und deren Sublimierung verdankt. Vergessen ist schließlich, und das ist skandalös,zumal an unserer Schule, die großartige Stadtbautradition der Schweiz, über die man achtlos hinwegplant wie über Kuhwiesen, die ja auch im Überfluss verfügbar scheinen in diesem Land.

So wabern denn Marketingkonzepte oft gigantischen Ausmaßes nach Einfällen willfähriger Architekten über Städte und Landschaften hinweg.

Wir wollen deshalb in diesem Semester an konkretem Ort, Zürich Albisguetli, beobachten, wie sich charakteristische Stadtstrukturen im Spannungsfeld zwischen individuellen und kollektiven Interessen bilden können. Wir werden dabei mit dem Entwurf des kleinsten Stadtbausteins, dem Haus auf privater Parzelle beginnen, um schließlich die Aktualität der Stadtbaukunst erneut unter Beweis zu stellen.

Wir betrachten die Seminarwoche als Teil unserer Entwurfsarbeit im Semester, so richtet sich unsere Reise vornehmlich an die Studenten unseres Kurses. Diese müssen sich nicht über die Interneteinschreibung anmelden, sondern schreiben sich zu Beginn des Semesters bei uns im SEM ein.
Studentenarbeiten
Andrea Thöny
Ella Ryhiner
Michaela Türtscher
Steve Gallay


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rev. 21.8.2011 , David Bossert